Wissen ist keine Macht mehr, also verschenkt es!

Vor ein paar Tagen hat sich Leander Wattig in seinem Blog mit der Frage beschäftigt, ob es clever ist, Wissen einfach so (übers Internet) zu verschenken. Besonders in Europa sei die Ansicht noch weit verbreitet, dass Wissen Macht ist und dass man diese verliert, wenn man sein Wissen teilt.

Wie Leander habe ich da eine ganz andere Sichtweise. Ein Argument, an das ich bisher nie gedacht hatte, möchte ich nun etwas ausführen. Der einzig wirksame Schutz vor Wissensdiebstahl ist, sein Wissen zu teilen. Unausgesprochene Ideen sind wertlos, ebenso ungenutztes Wissen. Sobald ich jedoch mein Wissen irgendwo an den Mann bringe ist es höchst gefährdet. In der total vernetzten Welt bleibt nichts lange geheim. Oder irgendwo auf der Welt hat jemand den gleichen Gedanken wie ich, vermarktet ihn besser und stiehlt mir die Show. Sichere (technische oder rechtliche) Schutzmaßnahmen dagegen gibt es nicht.

Außer: Ich enthülle mein Wissen vor der ganzen Welt und oute mich damit als Urheber. Kann jetzt jeder mein Wissen kopieren? Klar. Aber er wird immer ein Kopierer bleiben. Voraussetzung, damit das klappt: Ich muss mein Wissen öffentlichkeitswirksam präsentieren, PR in eigener Sache betreiben. Teilen hat in diesem Fall also wenig mit Altruismus zu tun, es ist pure Berechnung.

Natürlich könnten jetzt andere mit meinem Wissen Geld verdienen. Doch Wissen allein wird überbewertet. Wissen ist überall im Überfluss vorhanden. Wirklich knapp ist nur die Zeit, es einzusetzen.

Was ich persönlich jedoch als die größten zwei Vorteile empfinde, wenn ich mein Wissen verschenke:

  1. Ich komme mit vielen anderen ins Gespräch, die ihre Gedanken zu meinen hinzufügen und so meine Sichtweise ungemein bereichern. Dabei entstehen Ideen, auf die ich allein im stillen Kämmerlein nie gekommen wäre.
  2. Weil anderen Menschen gefällt, was ich tue, schenken sie mein Wissen wieder weiter an andere. So viel kostenloses Empfehlungsmarketing und Imagepflege ist unersetzbar.

Marcel ist freier Business-Texter mit über 10 Jahren Erfahrung und einem Schwerpunkt auf den Themen Personal, IT, Management und Marketing. Seine nächste Herausforderung: Mal einen kurzen Blog-Artikel schreiben. Du kannst ihn gerne für Deinen Blog oder Dein Projekt buchen. Hier erfährt du mehr über ihn.

8 Gedanken zu “Wissen ist keine Macht mehr, also verschenkt es!

  1. Pingback: Marcel Schreyer
  2. Pingback: Mario Carla
  3. Pingback: Robert Harm
  4. Pingback: Daniel Boscheri
  5. Hallo Marcel,

    interessante Sichtweise – Wissen als Geschenk! Ich denke, dass ist genau der Grund, warum so viele englischpsrachige Menschen so erfolgreich sind. Sie haben erkannt, dass Wissen nur dann Macht (und Einfluss) bedeutet, wenn ich es anderen zur Verfügung stelle. Auf meine Kosten komme ich dann, z.B. dadurch, dass ich neue Anregungen und Kontakte bekomme.
    Ich denke wir, die wir noch unter dem Einfluss der humanistischen Bildungsideale stehen, werden das auch noch begreifen. Denn sonst fährt der Zug ohne uns weiter.

    Gruß Mario Carla

  6. Genau so ist es! Es ist durchaus zum eigenen Vorteil und ein „Schutz“, so zu verfahren. Nicht in jedem Fall, aber in den meisten Fällen.

  7. Pingback: Thomas Kujawa
  8. Der Beitrag fasst sehr schön eine andere Sichtweise auf Wissen und das (Mit)Teilen von Wissen zusammen. Es deckt sich mit meiner Erfahrung. Herrschaftswissen alleine nutzt einem Berater/Dienstleister nichts, er oder sie muss es mitteilen, um z.B. potentielle Kunden zu überzeugen. Wissensweitergabe ist für mich Akquiseunterstützung. Auch wenn ein Kunde oder ein Mitbewerber (fast) soviel über mein Gebiet wissen wie ich, müssen sie es auch anwenden können – und die Zeit dazu haben, wie schon bemerkt wurde.
    Und, sind wir mal ehrlich, so genial und einzigartig sind unsere Ideen dann meist doch nicht, als dass nicht jemand anderes auch darauf hätte kommen können. Der Austausch mit anderen bringt mich und damit auch mein „Wissen“ weiter.

    Danke für den Gedankenanstoß & viele Grüße,
    Verena Voges

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