Social Marketing: Tue Gutes und rede nicht darüber

Früher hies es ‚Soziales Engagement’ oder schlicht ‚Spenden’, heute heißt es – korrekt neudeutsch – Social Marketing. Bis auf den Namen hat sich allerdings nicht viel geändert. Nach wie vor gibt es einige Punkte für ein Unternehmen zu beachten, wenn es Social Marketing zum festen Bestandteil seines Marketing-Mixes machen und davon profitieren möchte. Ansonsten geht der Schuss nach hinten los.

Zunächst einmal: Social Marketing ist kein Mittel zur kurzfristigen Umsatzsteigerung oder zur Imagepolitur in Krisenzeiten. Wer Social Marketing betreibt, muss wirklich den Wunsch haben, etwas Gutes zu tun. Die Menschen durchschauen schnell, wenn sich jemand lediglich aus eigennützigen Hintergedanken engagiert.

Das Ziel des sozialen Engagements muss auch zum Unternehmen passen. Wenn Sie für ein Projekt gegen Kinderarbeit in Vietnam spenden, sollten Sie nicht dafür bekannt sein, Dumpinglöhne zu zahlen. Den Umweltschutz zu unterstützen und Ihre Mitarbeiter in lieblosen, menschenfeindlichen Betriebsräumen arbeiten zu lassen, macht sich auch nicht gut. Suchen Sie sich ein Projekt aus, das zu Ihnen passt und das Sie guten Gewissens unterstützen können.

Und fast das Wichtigste: Hängen Sie Ihr Engagement nicht an die große Glocke. Social Marketing ist weder PR noch Sponsoring. Tun Sie Gutes, aber reden Sie nicht darüber. Lassen Sie andere darüber reden! Zum Beispiel könnten Sie Geschäftspartner persönlich bitten, ein Projekt gemeinsam mit Ihnen zu unterstützen oder einen Spendenaufruf auf Ihrer Webseite zu veröffentlichen. Motivieren und begeistern Sie Ihre Mitarbeiter für die gute Sache, Sie werden Ihre besten Botschafter sein. Sprechen Sie einen Redakteur der Lokalzeitung an, ob er nicht über das Projekt berichten möchte; Ihr Unternehmen wird dabei natürlich nur am Rande erwähnt. Veranstalten Sie ein Fest, ein Turnier, eine Tombola zugunsten Ihres unterstützen Projekts. Egal was Sie tun: Bleiben Sie als Unternehmen im Hintergrund und vermeiden Sie es tunlichst, irgendwelche Gegenleistungen für Ihre Spenden oder Ihr Engagement zu erhalten. Dazu gehören auch Werbeflächen oder Logo-Platzierungen.

Erwarten Sie keine Wunder von Social Marketing. Sie werden deshalb mittelfristig keine Kundenanstürme zu bewältigen haben und auch die Presse wird nicht vor Lob für Sie überfließen. Halten Sie Ihr Engagement dennoch durch und erliegen Sie nicht der Versuchung, mit Social Marketing schnelles Geld machen zu wollen. Langfristig bauen Sie dadurch unbezahlbare Werte auf und werden im Ansehen von Mitarbeitern, Mitbürgern und Geschäftpartnern steigen. Und darüber hinaus, wie sagt es der Volksmund so schön: Ein gutes Gewissen, ist ein sanftes Ruhekissen.

Passend zum Artikel schrieb Chefredakteur Raoul Fischer im Editorial der Zeitschrift aquisa 10/2007:
Corporate Social Responsibility verändert ein Unternehmen, entspricht einer unternehmerischen Haltung. Kurzfristige Aktionen, die PR-technisch von eigenen Missständen ablenken sollen, überzeugen weder Mitarbeiter, noch Kunden, noch die Öffentlichkeit. Wenn eine Supermarktkette, die ihre eigenen Mitarbeiter schindet und bedroht, sich öffentlichkeitswirksam für Biogemüse und Plantagenarbeiter engagiert, behält das seinen Haut Goût.

Ich bin Marcel, freier Business-Texter mit über 11 Jahren Erfahrung und einem Schwerpunkt auf den Themen Personal, IT, Management und Marketing. Du kannst mich gerne für Deinen Blog oder Dein Projekt buchen. Hier erfährt du noch ein bisschen mehr über mich.