Praxismarketing: Der nächste Kunde bitte!

Ärzte und Marketing, diese beiden Begriffe in einem Satz klingen zunächst paradox. Ärzte machen alle dasselbe, haben dank Grippeviren & Co. immer genug zu tun und halten die Wartezimmer-Zeitschrift für das Kundenbindungsinstrument schlechthin. Wo ist da Platz für Marketing?

Nun, ganz so einfach ist es nicht mehr. Einerseits werden von den Krankenkassen immer mehr Leistungen gestrichen — Geld, das den Ärzten fehlt. Andererseits gibt es ein immer größeres (privat versichertes) Klientel, welches sich Gesundheit und Schönheit gerne etwas kosten lässt. Obwohl 90% der deutschen Bevölkerung gesetzlich versichert ist stammen nur noch 65% der Praxisumsätze aus dieser Quelle. Tendenz weiter sinkend. Ärzte müssen also umdenken, wenn Sie im Werben um zahlungskräftige Kundschaft erfolgreich sein wollen. Haben Sie es bemerkt? Ich sagte Kunde, nicht Patient. Aus dem Arzt wird ein Gesundheitsdienstleister.

Wie kann effektives Praxismarketing („Medvertising”) jedoch aussehen? Drei Instrumente möchte ich kurz anschneiden, mit denen sich Ärzte in einem Wettbewerbsumfeld hervortun können:

  • Pro-aktive Patienteninformation: Zielgruppenspezifische Info-Mappen oder Online-Portale, Vorträge und Seminare, Erinnerung an Vorsorgeuntersuchungen, Beratung beim Kauf von Medikamenten oder medizinischen Hilfsmitteln
  • Verbreitertes Angebotsspektrum: Angebot verschiedener Behandlungsmethoden in einer Praxis, z.B. durch Ärztegemeinschaften, Alternativmedizin, umfassende Gesundheitsberatung und Begleitung des Patienten, Präventivbehandlungen
  • Besondere Serviceleistungen: Erweiterte Öffnungszeiten, schön eingerichtete Behandlungsräume, freundliches und zuvorkommendes Personal, Hausbesuche, Abholservice, etc. etc….

Die Palette der Möglichkeiten ist damit längst nicht ausgeschöpft. Zugegeben, für viele Ärzte bedeutet das eine größere Umstellung und vielleicht auch Konflikte mit dem Selbstverständnis, wenn der Arztberuf zunehmend kommerzialisiert wird. Andererseits arbeiten Ärzte für Menschen bzw. deren Gesundheit und es wäre unlogisch, dass gerade sie sich dem Dienstleistungsgedanke weiter entziehen sollten. Ein kundenorientiertes Marketingkonzept wirkt sich auf Ärzte wie Patienten Kunden positiv aus. Mit persönlichem Engagement und evtl. externer Beratung sollte die Umsetzung nicht zu schwer fallen.