Existenzgründung auf Gran Canaria – für viele ein Traum

Existenzgründung auf Gran Canaria – das musst du für die Vorbereitung wissen

Viele träumen den großen Traum vom Auswandern nach Gran Canaria in Spanien und von der selbständigen Existenzgründung. Bei den meisten bleibt es beim Traum. Und für die, die es tatsächlich angehen, wird der Traum schnell zum Albtraum, wenn du dich nicht richtig vorbereitest. So sind Existenzen trotz Startkapitals schnell bedroht oder gar zerstört.

Die allererste Frage, die es für die Auswanderung zu beantworten gilt, ist die nach der Existenzgrundlage. Was möchte ich auf Gran Canaria tun, um meinen Lebensunterhalt zu erwirtschaften und – noch viel wichtiger – langfristig zu erhalten? Eine Möglichkeit ist, sich ganz simpel einen Job zu suchen. Allerdings sind die Arbeitsangebote relativ eng begrenzt. Davon abgesehen, dass die Bedingungen Sicherheit, Einkommen und Arbeitszeit betreffend, wesentlich schlechter sind, als man das aus Deutschland gewohnt ist.

Daher wagen viele eher den Schritt in die Selbständigkeit. Was es dabei zu beachten gibt, was Stolpersteine oder gar Geschäftskiller sind, darum geht es im folgenden Beitrag über Selbständigkeit auf Gran Canaria.

Ausreichendes Startkapital ermitteln – mit Businessplan PLUS

Jeder vernünftige und künftige Kaufmann erstellt zunächst einen Businessplan und errechnet so das notwendige Startkapital. Nun klingt der Begriff “Businessplan” sehr akademisch. Letztendlich geht es dabei darum, die mit der Geschäftsgründung zusammenhängenden Kosten realistisch zu kalkulieren. Das ist jedoch nicht alles. Für mindestens 24 (besser 60) nach der Geschäftsgründung folgenden Monate, ist ein Plan mit den laufenden Kosten und den Umsätze zu erstellen.

Unternehmensgründung

Da normalerweise keine Erfahrungswerte vorliegen, schätzt man die Einnahmen sehr vorsichtig und die Kosten eher großzügig. Den Schätzungen sollten jedoch intensive Recherchen im Internet zugrunde liegen. Mietkosten für Geschäftslokale oder Büroräume sind sehr leicht zu ermitteln. Es gibt unzählige auf Gran Canaria spezialisierte Immobilienportale, aus denen die Mietpreise bezogen auf Regionen und Geschäftszweck zu ersehen sind. Kosten für Einrichtungen, EDV Ausrüstungen und andere Geräte sind ebenfalls im Internet verfügbar. Die so ermittelten – höchstwahrscheinlichen – Ausgaben sind in die Kalkulation des Startkapitals einzubeziehen.

Unternehmensübernahme

Etwas leichter wird es, einen Businessplan zu erstellen, wenn man ein bereits existierendes Unternehmen übernehmen will. Da steht der Kaufpreis fest und die laufenden Kosten und Einnahmen können der Buchhaltung entnommen werden. Aber auch hier ist eine Berechnung der künftigen Entwicklung notwendig. Das ist wichtig, um den möglichen Kaufpreis zu verifizieren und abzuschätzen, ob sich das Geschäft auch in Zukunft trägt.

Gebühren und Steuern

Ebenfalls bei der Kalkulation nicht zu vernachlässigen sind Gebühren und Steuern, die bei Behörden, Steuerberater oder Notare anfallen. Als Faustformel kann man hier 50% von in Deutschland üblichen Kosten zugrunde legen.

PLUS Lebenshaltungskosten

Unabhängig davon, was tatsächlich für eine Existenzgründung oder die Übernahme eines bereits bestehenden Unternehmens an Kapital benötigt wird, darf man die zusätzlichen Kosten, die mit der Auswanderung zusammenhängen, nicht unterschätzen. Umzug, Flüge, Miete und Kaution für Wohnung, erste Ausstattung, täglicher Bedarf etc. schlagen ebenfalls ordentlich zu Buche. Auch hier sollte eine Kalkulation für 24 Monate erstellt werden.

Zusammenfassend lässt sich das Startkapital nach folgender Formel ermitteln:

  • Kosten Existenzgründung oder Firmenübernahme
  • plus Verluste bzw. minus Gewinne der ersten 24 Monate
  • plus Gebühren und Steuern
  • plus Private Kosten der Auswanderung und der ersten 24 Monate.

Darüber hinaus ist ein Sicherheitspuffer von 10% sehr empfehlenswert. Es ist ratsam, sich bei seinem Vorhaben von einem deutschsprechenden Steuerberater (Asesor) oder Beratungsdienstleister (Gestoría) unterstützen zu lassen.

Formalien und Behörden

Número Identificación Extranjero

Ohne die N.I.E., zu Deutsch Ausländeridentifikationsnummer, geht auf Gran Canaria bzw. in ganz Spanien nichts. Die N.I.E. wird bei allem benötigt: Mietvertrag, Kredite, Kontoeröffnung, Steuererklärung, Mobilfunkverträge, und und und. Das ist das erste Dokument, das zu beantragen ist. Dafür geht man zur Ausländerbehörde, für die in Spanien die Nationalpolizei (Policía Nacional) zuständig ist. Dort wird auch später die sogenannte Residencia beantragt. Diese ist Vorschrift, wenn man sich länger als sechs Monate in Spanien aufhalten möchte.

Anmeldung als Einzelkaufmann

Man kann seine Selbständigkeit in Spanien als sogenannter Trabajador Autónomo starten. Das entspricht dem Einzelkaufmann in Deutschland. Dafür sind die Anmeldung des Gewerbes und die Beantragung der Steuernummer beim zuständigen Finanzamt (Agencia Tributaria) notwendig. Die Steuernummer N.I.F. (Numero de Identificacion Fiscal) entspricht im Falle des Autónomo der N.I.E. Die Anmeldung des Gewerbes erfolgt mit dem Formular Modelo 036.

Gründung einer Kapitalgesellschaft

Die beliebteste Form, auf Gran Canaria in die Selbständigkeit zu starten, ist die S.L. (Sociedad Limitada), die spanische GmbH. Deren Gründung ist vergleichsweise einfach. Als erstes ist der Name beim Zentralen Handelsregister in Madrid zu beantragen. Dabei reicht man 5 Namensversionen auf deren Website ein. Es ist eine kleine Gebühr zu entrichten und nach einigen Tagen bekommt man per E-Mail ein Zertifikat mit dem reservierten Namen.

Mit diesem Zertifikat kann bei einer Bank ein vorläufiges Konto eingerichtet werden, auf der das Stammkapital in Höhe von 3.100 EUR vollständig eingezahlt werden muss. Dafür stellt die Bank wiederum ein Zertifikat aus. Mit Namens- und Bankzertifikat geht es dann zum Notar. Der setzt die Gründungsurkunde (Escritura de Constitución) auf und beantragt den Steueridentifikationscode C.I.F (Código de Identificación Fiscal) beim Finanzamt. Die C.I.F. entspricht später der N.I.F.

Der Steuerberater oder die Gestoría kümmert sich anschließend um die Anmeldung beim Handelsregister (Registro Mercantil) und die Gewerbeanmeldung beim Finanzamt. Und dann kann es auch schon losgehen.

Sozialversicherung

In Spanien gibt es eine Bürgerversicherung. Das heißt, dass jeder, unabhängig von Art der Erwerbstätigkeit in die Sozialkassen (Seguridad Social) einzahlen muss. So sind Arbeitnehmer, Autonomos und Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften Teil des Sozialsystems in Spanien.

Die Berechnung der Höhe der Sozialversicherung richtet sich nach Art des Gewerbes. Sie wird immer rückwirkend zum Ende des laufenden Monats fällig. Ab dem Zeitpunkt der Gewerbeanmeldung ist auch die Seguridad Social zu zahlen. Die Beantragung muss innerhalb von 30 Tagen nach der Gewerbeanmeldung beim für den eigenen Wohnsitz zuständigen Regionalbüro (Tesoreria Genseral de la Seguridad Social) erfolgen. Inzwischen ist die Beantragung auch online möglich.

Licencia de Apertura

Wenn eine Gewerbetätigkeit mit einem öffentlich zugänglichen Ladenlokal geplant ist, ist zusätzlich noch die Geschäftslizenz (Licencia de Apertura) von der ansässigen Gemeinde (Ayuntamiento) notwendig. Diese ist im Rathaus zu beantragen. Neben dem Antragsformular sind verschiedene Unterlagen über Art und Umfang des geplanten Geschäfts einzureichen. Ein Mitarbeiter des Rathauses überzeugt sich dann noch vor Ort von der Richtigkeit der Angaben und dann sollte der Erteilung der Licencia de Apertura nichts mehr im Wege stehen.

Berufskammern

Für manche Branchen gibt es in Spanien Berufsorganisationen, die sogenannten Kammern (Bsp. Handwerkskammer: Cámara de Artesanía). Möchte man in einer dieser Branchen selbständig tätig werden, ist die Mitgliedschaft obligatorisch. Das heißt, eine selbständige Tätigkeit ohne Mitgliedschaft in der zuständigen Kammer ist nicht erlaubt. Daher ist es wichtig, sich zu erkundigen, ob für die angestrebte Branche eine solche Kammer existiert.

Ladengeschäft auf Gran Canaria
Ein Bekleidungsgeschäft für Touristen – nur eine von vielen Geschäftsideen, die auf Gran Canaria möglich sind.

Geschäftsidee finden

Grundsätzlich gilt „Schuster bleib bei deinen Leisten“. Soll heißen, dass man das selbständig ausüben sollte, was man gelernt hat oder in dem man einige Erfahrungen gesammelt hat. Aber auch Neues auszuprobieren muss nicht falsch sein. Abhängig ist das Ganze davon, was augenscheinlich vor Ort am meisten gebraucht wird und natürlich auch vom verfügbaren Startkapital. Touristische Vermietung von Unterkünften aller Art ist noch für Jahre auf Gran Canaria ein Wachstumsmarkt. Allerdings bedingt das einen hohen Bedarf finanzieller Mittel.

Auch ist eine Spezialisierung als Incoming Agentur auf Gran Canaria im Bereich der Destination Services für Unternehmen denkbar. Viele Unternehmen suchen vor Ort deutschsprachige Ansprechpartner, mit denen sie im Rahmen von Eventorganisationen auf Gran Canaria zusammen arbeiten können. Bars und Restaurants gibt es wie Sand am Meer. Um in dieser Branche zu überleben, erfordert es ein hohes Durchhaltevermögen und ein außergewöhnliches, aus der grauen Masse herausstechendes Konzept.

Das gleiche gilt für den Einzelhandel. Mit guten Ideen kann man noch immer im Bereich der touristischen Dienstleistungen punkten. Die Urlauber sind immer an außergewöhnlichen und neuen Erlebnissen interessiert und geben dafür gerne Geld aus. Aber hier ist eine detaillierte Marktanalyse erforderlich.

Sprachkenntnisse

Es erübrigt sich eigentlich, darauf hinzuweisen, dass man die Sprache des Landes, in dem man leben will, beherrschen sollte. Nun, manche tun sich mit Fremdsprachen schwer. In vielen Bereichen kann auf Gran Canaria auch eine Gestoría (Beratungsagentur) helfen. Aber spätestens, wenn ein Geschäft in einem öffentlich zugänglichen Ladenlokal betrieben wird, muss mindestens einer dort des Spanischen mächtig sein. Das wird sogar stichprobenweise von sogenannten Inspektoren geprüft.

Gute Grundkenntnisse in spanischer Sprache sind also ein absolutes Muss. Einen Smalltalk und die Grundbegriffe des täglichen Geschäfts müssen beherrscht werden können. Darüber hinaus ist fließendes Englisch als weitere Fremdsprache absolut unerlässlich, wenn man im touristischen Sektor tätig sein möchte. Deutsche Urlauber kommen viele nach Gran Canaria. Aber sie belegen in der Statistik nur den Platz drei.

Ein guter Rat zum Abschluss

Trotz ausreichendem Kapitals und einer guten Geschäftsidee, ist es in manchen Fällen dennoch nicht einfach, als Selbständiger auf Gran Canaria Fuß zu fassen. Die Konkurrenz ist in fast allen Branchen groß und es wird mit harten Bandagen gekämpft. So kann es passieren, dass Neulinge übermäßig lange auf notwendige Genehmigungen warten müssen oder keinen örtlichen Lieferanten finden, weil der alt eingesessene Konkurrent „Leute kennt“ und Geschäftseinbußen befürchtet.

Viele spielen mit der Unwissenheit und der Naivität der Neuankömmlinge und versuchen, dubiose Geschäfte auf deren Kosten abzuwickeln. Gerade bei Unternehmensübernahmen ist sehr große Vorsicht angeraten. Eine gesunde Skepsis und ein grundlegendes Misstrauen sind leider (überlebens-)wichtig. Man darf nicht alles glauben und man muss vieles hinterfragen und prüfen, denn sonst kann eine Auswanderung schnell an den Machenschaften von Neidern oder Konkurrenten scheitern.

Fotos: Daniel Graßmann