Das Comeback der Flyer-Werbung

Ja, ja, der Flyer. Das wahrscheinlich älteste gedruckte Werbemedium hat es bis ins 21. Jahrhundert geschafft. Doch obwohl tagtäglich Millionen der kleinen Werbezettel gedruckt und verteilt werden belächelt man ihn doch nur noch. Was stand auf dem letzten Flyer, den Sie bekommen haben? Die Rücklaufqouten liegen meist im Nullkomma-Prozentbereich. Bringt man hunderttausende Flyer unter die Leute erzielt man auch damit erkleckliche Ergebnisse. Wenn Kleingründer jedoch beim Grafiker um die Ecke 500 Flyer gestalten, drucken lassen und dann irgendwo auslegen kommt am Ende selten etwas dabei heraus. Schade um das Geld. Geben wir es zu: In den meisten Fällen ist der Flyer Ausdruck fehlender Ideen, wie man besser werben könnte.

Doch damit will ich heute Schluss und den Flyer wieder zum salonfähigen Werbemittel machen. Zuerst bitte ich Sie, sich nicht von den geringen Produktionskosten für Flyer irritieren zu lassen. Aufwände für Idee, Konzeption, Gestaltung und Verteilung sind um ein Vielfaches höher. Wenn Sie das verinnerlicht haben spitzen Sie die Ohren für die 5 Erfolgstipps für das Comeback Ihrer Flyer-Werbung:

  1. Die Zielgruppe: Ein Flyer für alle, das wird nicht funktionieren. Grenzen Sie die Zielgruppe so spitz wie möglich ein und stimmen Sie die geplanten Inhalte genau auf diese ab. Das gilt auch für Format, Gestaltung und Verteilung. Ach ja, natürlich gibt es auch Zielgruppen die sich überhaupt nicht per Flyer erreichen lassen, so sehr Sie sich auch anstrengen.
  2. Das Argument: Eine altbekannte Werbe-Regel ist: Du hast nur wenige Sekunden um den Empfänger einer Botschaft zu interessieren. Gelingt das nicht, fliegt der Flyer in den Papierkorb. Nehmen Sie EIN Argument, stellen Sie dieses inhaltlich und gestalterisch heraus. Bullet-Point-Listen ade. Wenn der Flyer noch einen exklusiven Bonus bietet – Rabatt-Marke, Gutschein-Code fürs Internet – kann das zusätzlich wirken. Mit solchen Elementen messen Sie außerdem den Rücklauf von Flyer-Aktionen.
  3. Die Gestaltung: Auffallen ist angesagt. Klassisches Grafikdesign ist zwar ok, aber kein Gesetz. Warum den Flyer nicht kunstvoll selbst zeichnen (lassen) und vervielfältigen? Oder stempeln, schneiden, kleben, beflocken? Auch bei den Materialien können Sie kreativ sein: Stoffreste, Leinwand, Holz, Esspapier, Luftballons. In kleineren Auflagen ist alles machbar, vor allem wenn als Gründer noch mehr Zeit als Geld hat.
  4. Das Recycling: Wie schon erwähnt werden Flyer meist schnell weggeworfen. Warum eigentlich? Geben Sie den Empfängern einen Grund, Ihren Flyer weiterzuverwenden. Gestalten Sie eine Postkarte, die sich auch am Kühlschrank gut macht oder als Geschenkkarte taugt. Zeichnen Sie auf einem Flyer für Kinder Falz-Linien zum Bau eines Papierfliegers vor. Rezepte oder andere praktische Tipps sind zwar nicht superkreativ, aber ebenso zweckmäßig.
  5. Die Verteilung: Überlegen Sie sich, in welcher Situation bzw. an welchem Ort ein Empfänger am empfänglichsten (tolle Formulierung :-) für Ihr Angebot ist. Das kann der Briefkasten sein, jedoch eher in Ausnahmefällen. Verteilen Sie die Flyer lieber aktiv an attraktiven Orten, überreichen Sie sie mit einem freundlichen Kommentar. Wenn Sie Flyer bei Geschäftspartnern auslegen, briefen Sie diese entsprechend, an wen und wie die Flyer verteilt werden sollen. Im persönlichen Kontakt, so kurz er sein mag, wirken Flyer ganz anders.

So. Das Comeback des Flyers ist noch nicht geschafft. Sie wissen jetzt aber, wo Sie anfangen sollen. Und ich möchte nochmals betonen: Widmen Sie einer Flyer-Aktion die gleiche Aufmerksamkeit wie einer „teureren“ Werbemaßnahmen. Sehen Sie den Flyer nicht als billigen Streuartikel sondern als vollwertigen Bestandteil Ihres Werbe-Mixes. Ansonsten tun Sie im Unrecht. Dann wäre er beleidigt und würde sich schlichtweg weigern, neue Kunden für Sie zu gewinnen. Wollen Sie das?

Marcel ist freier Business-Texter mit über 10 Jahren Erfahrung und einem Schwerpunkt auf den Themen Personal, IT, Management und Marketing. Seine nächste Herausforderung: Mal einen kurzen Blog-Artikel schreiben. Du kannst ihn gerne für Deinen Blog oder Dein Projekt buchen. Hier erfährt du mehr über ihn.

1 Gedanke zu “Das Comeback der Flyer-Werbung

  1. Gute Sache, dem Flyer ein wenig das Wort zu reden, er hat es verdient (und nötig). Drei Anmerkungen habe ich:
    – Sehr richtig: Der Druck ist marginal, die Kosten entstehen in der Konzeption, eventuell auch in der Verteilung. Daher sind spitze Zielgruppen etwas heikel (wenn auch natürlich wünschenswert), da mit mehr Skalierung die durchschnittlichen Kosten pro Kontakt erheblich in die Knie gehen.
    – Ihre Punkte 1 und 2 (Zielgruppe und Argument (=Idee)) sind elementar, die dann folgenden sind eher Anregungen. Es kann Fälle geben, in denen selbst die Gestaltung sekundär ist oder eine besondere Verteilung nicht wichtig ist. Alle anderen Punkte folgen der IDEE.
    – Ein mir fehlender Punkt ist die Marke. Die gesamte Aktion muss, auch wenn das sicher trivial ist, anhand der eigenen Marke überprüft werden. Ich habe letztich einen Flyer für teure Immoblien von einem Makler in meinem Briefkasten gefunden: Schlecht gedruckt, schlecht getextet und das Bild des Maklers schlecht fotografiert, Bei einem Bioladen um die Ecke mit einem netten Gutschein geht das in Ordnung. Bei Immobilien-Angeboten der gehobenen Klasse sicher nicht,

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