Ich wage es schon gar nicht mehr zu erwähnen, wenn ich mit anderen spreche: “Ich mache Online-PR”. Dann kommt nämlich früher oder später unweigerlich die Frage: “Aha, und auf welchen Presseportalen stellst du die Meldungen ein?” Dann muss ich nämlich das Thema ganz von vorne aufrollen, um zu erklären, was ich eigentlich mache.

Um es gleich mal deutlich zu sagen: Pressemitteilungen auf Internet-Portalen zu posten repräsentiert für mich das Thema Online-PR nicht im geringsten. Dazu ein Vergleich mit der klassischen PR. In der klassichen PR verfasse ich Meldungen, die ich an Redaktionen oder Journalisten versende, in der Hoffnung auf einen Artikel in einem Massenmedium. (Daneben gibt es auch noch andere Ziele, wie Investor Relations.) Zum Versand nutze ich Post oder Fax – mittlerweile eher E-Mail. Wenn ich nun eine Pressemeldung auf ein Online-Presseportal stelle und hoffe, dass sie dort ein Redakteur findet, wo ist da der Unterschied? Einzig im Übertragungsweg. Der Redakteur kriegt keine Post von mir sondern soll sich die Meldung selbst holen. Und gefälligst darüber schreiben! Ansonsten ist alles gleich wie bei der klassichen PR.

Die Prozesse in der klassischen PR haben sich aber über die Jahrzehnte an die (Massen)Medienlandschaft des Print und Rundfunk angepasst. Diese Prozesse eins zu eins ins Internet zu übertragen rechtfertigt meiner Meinung nach kaum die Bezeichnung Online-PR. Ebenso wie sich die klassiche PR die (mittlerweile abnehmende) Dynamik der Massenmedien zunutze macht, so muss doch auch die Online-PR die (stark wachsende) Dynamik des Internets adaptieren.

Was wären also Anzeichen für “echte” Online-PR im Vergleich zu klassischer PR?

  • hohe Veröffentlichungsfrequenz
  • kurze, leicht zu konsumierende Inhalte
  • Fokus auf Aktualität statt auf Tiefe
  • Interaktion mit Usern wird gefördert
  • “menschliche” Themen statt Zahlen & Fakten
  • virale Effekte werden ausgenutzt
  • multimedial aufbereitete Inhalte
  • authentischer, natürlicher Sprachstil
  • Kommunikationskanäle wandern dahin, wo die User sind

Diese Liste ist sicher nicht allumfassend; wenn ihr weitere Anzeichen kennt, sagt es mir. Doch schon jetzt ist klar: Diese Anforderungen erfüllt keine Pressemitteilung, diese Anforderungen können nicht mit klassischer PR-Denke erfüllt werden. Wie man Online-PR aber richtig macht? Seht ihr, jetzt geht es mir wie sonst auch. Bis ich beim Erklären zu diesem Punkt komme ist die Zeit meistens schon um… aber keine Angst, ich werde noch den einen oder anderen Artikel darüber schreiben. ;)

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One Response to Online-PR ist anders

  1. Sebastian sagt:

    Marcel, als jemand, der genau an der Schnittstelle von klassischer PR und Online-PR arbeitet, gebe ich Dir grundsätzlich recht! Aber: “menschliche” Themen statt Zahlen & Fakten” als Faustregel halte ich für sehr gewagt. Zum Beispiel ist es so, dass aus dem Startup- und Webbereich kaum jemand harte Zahlen raus gibt, die Redakteure der Onlinepublikationen aber danach lechzen, solche zu veröffentlichen. Und auch die mit den Hufen scharrenden Multiplikatoren im Hintergrund wollen nicht nur Storys. Auch in Sachen Wording muss man sehr aufpassen! Klar, sollten auch Unternehmen keine Blogkommentare beenden mit “Ich würde mich freuen” oder “mit den besten Grüßen”, aber wenn es um eine Pressemitteilung geht, dann zählt nach wie vor jeder Rechtschreibfehler mehr als guter Flow in den ersten zwei Zeilen.

    Aber ansonsten hast Du in allen Punkten recht und ich steuer gerne was zur Serie bei!

    Grüße,
    Sebastian

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