Mehr Qual als Wahl: Notebook-Kauf
Notebook-Hersteller sind Meister der Verwirrung. Jedes Modell kommt in 20 Varianten auf den Markt, jede Variante mit kryptischen Buchstaben-Zahlen-Kombinationen gekennzeichnet. Was wirklich hinter den Bezeichnungen steckt ist für den Laien nur schwer nachvollziehbar. Eigentlich ist der Ansatz ja gut: Für jeden Nutzertyp das passende Notebook. Mittlerweile glaube ich jedoch stark, dass die Hersteller nur deshalb duzende Varianten auf den Markt werfen, um über ihre Ahnungslosigkeit bezüglich der wirklichen Kundenbedürfnisse hinwegzutäuschen. Denn die meisten Notebook-Konfigurationen sind schlicht für die Tonne.
Seit Monaten bin ich auf der Suche nach einem neuen Notebook für die Arbeit. Meine Anforderungen sind nicht hoch: Durchschnittliche Leistung für Office und Grafikbearbeitung, Akkulaufzeit von 3-4 Stunden, saubere Verarbeitung und halbwegs schicke Optik. Einzige „höhere“ Anforderung: Ein Display mit guten Eigenschaften was Helligkeit, Kontrast und Farbwiedergabe betrifft. Ansonsten macht Grafikbearbeitung ja keinen Sinn. Mein Budget lag bei maximal 1.300 Euro, was für ein Notebook gute Mittelklasse bedeutet. Also habe ich mich auf Internetrecherche gemacht. Glaubt ihr, ich hätte unter bestimmt hundert auch nur eines gefunden, dass passt? Pustekuchen!
Was die Leistung betrifft, wäre alles schnell entschieden gewesen. Die neuen Notebook-Prozessoren haben richtig Power und verbrauchen wenig Energie, da würde ein durchschnittliches Modell für mich reichen. Aber ich habe – ganz ehrlich – kein einziges Notebook in dieser Preisklasse mit einem passablen Display gefunden. Kann mir bitte mal jemand erklären was diese Konfiguration für einen Sinn macht: Ein Notebook hat 6-8 Stunden Akkulaufzeit, ist also super für den Einsatz unterwegs geeignet. Aber das Display ist dermaßen blass und verspiegelt, dass man beim ersten Sonnenstrahl rein gar nichts mehr sieht. Und wo bitte habe ich unterwegs optimale Lichtverhältnisse?! Selbst wenn ich beim Kunden im Büro mit dem Rücken zu einem Fenster sitze, bekomme ich schon Probleme mit so einem Display!
Wenn man mal nach „Notebook mit gutem Display“ googelt sieht man, dass ich nicht allein dieses Problem habe. Unter 1.700 Euro ist kein Notebook mit anständigem Display zu bekommen. Oder man kauft gleich ein MacBook. So viel will ich aber nicht ausgeben, ich hab ja meinen PC zuhause, mit dem ich alles machen kann. Und von Apple will ich sowieso aus anderen Gründen nix kaufen.
Aber es schien dann doch, als hätte ich mein Traum-Notebook gefunden. Das HP Envy 17 für etwa 1.300 Euro. Das wird nämlich mit einem „Radiance Infinity Display“ ausgeliefert, was in allen Belangen brilliant sein soll. Ich war super-happy und hatte das Envy schon im Warenkorb eines Online-Shops, als ich zufällig auf einen Hinweis stieß: Das HP Envy 17 werde mittlerweile nicht mehr mit besagtem Display ausgeliefert, sondern mit einem Standard-Display, wie es auch Billig-Notebooks haben. (Die einhellige Meinung der User ist, dass HP zum Marktstart tolle Testergebnisse haben wollte um dann später klammheimlich an der Hardware zu sparen.)
Das war dann endgültig zu viel für mich. Wenn´s schon kein Notebook gibt, das meinen Otto-Normal-Anforderungen entspricht, dann brauche ich auch nicht so viel Geld dafür ausgeben. Dann reicht mir ein Standard-Teil, für Standard-Anwendungen. Also habe ich mir ein paar Kauftipps durchgelesen und mich schließlich für das Asus Pro P53E-SO032X entschieden, weil es eine ganz gute Akkulaufzeit hat. Mit den gesparten 700 Euro leiste ich mir nun was anderes Schönes.
Ich muss nochmals fragen: Ist das Absicht? Dummheit? Ignoranz? Was wäre denn dabei, 50 Euro mehr für ein Notebook zu verlangen oder ein bisschen an anderer Hardware zu sparen, dafür aber gescheite Displays zu verbauen? Ich kann es mir nicht erklären. Ich weiß nur, dass sich die Hersteller damit keinen Gefallen tun. Und ich hoffe, dass mein neues Notebook lange hält und ich dieses Theater in den nächsten Jahren nicht mehr mitmachen muss.
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